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Harte Landung für deutsches Rodeo
Wie deutsche Cowboys zur Absage des Kopenhagener Rodeos beitrugen
Es war ein kühner Plan. Am letzten Wochenende im Juni 2007 hätte
Skandinaviens erstes Rodeo stattfinden sollen. Veranstalter Karsten Østergaard
hatte Kopenhagens größtes Fußballstadium dafür gebucht.
Durchgeführt werden sollte die Veranstaltung nach den Regeln der
umstrittenen amerikanischen Professional Rodeo Cowboy Association (PRCA).
Peinlicherweise musste der Vorsitzende der PRCA, Troy Ellerman, ausgerechnet
jetzt zurücktreten, denn er hatte im Rahmen eines Gerichtsverfahrens
um Doping im Sport mit einer Haftstrafe von mindestens zwei Jahren sowie
einer Geldstrafe zu rechnen.
Auf der Webseite der Veranstaltung wurde stolz eine Genehmigung des dänischen
Justizministeriums, zuständig für Tierschutz, veröffentlicht.
Diese erschien beim genaueren Durchlesen seltsam. So stellte man sich
dort die Frage, was die Kälber dazu veranlasst, die Startboxen fluchtartig
zu verlassen und man gab zu, dass man bisher keine eigenen Erkenntnisse
über Rodeo habe. Das störte allerdings nicht weiter, denn der
Ethologe Professor Jan Ladewig hatte der Veranstaltung grünes Licht
gegeben.
Erste Misserfolge
Gleichzeitig mit der Werbung für die tierquälerische Veranstaltung
begannen auch die Proteste. Die Webseite der European Anti-Rodeo Coalition
wurde um die dänische Sprache erweitert und Tierliebhaber aus ganz
Dänemark begannen damit, Flugblätter zu drucken, Demonstrationen
zu organisieren und Unterschriften zu sammeln. Das dänische Parlament
beschäftigte sich ebenfalls mit Rodeo.
Als erster Sponsor stieg das Hilton Hotel Kopenhagen aus. Er war klar
geworden, dass Cowboys ohnehin nicht in Luxushotels absteigen, sondern
Camping bevorzugen. Auch ein Schreiben der EU-Kommission, das europäisches
Rodeo verurteilt, hatte Überzeugungskraft.
TV2 Zulu, ebenfalls ein Sponsor, behielt sich vor, sein Sponsoring zu
überdenken, sollte sich die Mehrheit der Zuschauer dagegen aussprechen.
Mutton Bustin, das Schafereiten für kleine Kinder, wurde aus dem
Programm genommen.
Investigativer Journalismus
Plötzlich stellte sich heraus, dass die Tiere für das Rodeo
aus Deutschland geliefert werden sollten. Die dänischen Medien begannen
mit ihrer Recherche und die Veranstaltung geriet immer mehr unter Druck.
Vor allem das dänische Pferdemagazin Magasinet Hest und
die Redaktion des Programms Task Force des Dänischen
Rundfunks klemmten sich dahinter. Sie fanden heraus, dass die dänische
Öffentlichkeit und auch die deutsche Öffentlichkeit gezielt
getäuscht worden waren. So wurde u.a. behauptet, dass das Langzeitgutachten
der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. ein reines
Schreibtischgutachten sei. Die deutschen Gutachter seien nie
selbst beim Rodeo gewesen. Diese Form der Diskreditierung funktionierte
allerdings nicht, denn es gab neben Videoaufnahmen auch Zeugen für
die persönliche Anwesenheit der Gutachter. Weiterhin wurde den dänischen
Behörden eine lange Liste mit tierärztlichen Bescheinigungen
vorgelegt, die auf wundersame Weise alle positiv für Rodeo ausfielen.
Beim genaueren Hinsehen fiel jedoch auf, dass es sich entweder um praktizierende
Tierärzte handelte, die auf der Gehaltsliste der Cowboys standen,
oder dass es Bescheinigungen für unterschiedliche Unternehmen waren.
Es waren auch Amtstierärzte darunter, die heute den Flankengurt,
die Sporen, Wild Horse Race und Bullenreiten aufgrund eines Erlasses überhaupt
nicht mehr genehmigen dürfen.
Der Anfang vom Ende
Derart in Bedrängnis geraten, sah sich der dänische Veranstalter
genötigt, zu beweisen, dass Rodeo harmlos ist. Er lud Professor Ladewig
und die Pferdeexpertin Marianne Dahl-Jensen von der Dänischen Tierärztlichen
Vereinigung (Danske Dyrlægeforening) am 21.04.07 zu einem Ausflug
nach Deutschland ein. Das Team von Task Force lud sich selbst
ein. Ebenso mit von der Partie war eine Journalistin von Magasinet
Hest und die dänische Westernreiterin Lilli Klausen. Neben
Wild Horse Race wurde ihnen Wildpferdreiten mit und ohne Sattel vorgeführt.
Sie konnten sich außerdem ein Bild vom Zustand der Pferde machen.
Die Zeitung Jyllands
Posten veröffentlichte am 25.04.07 die Reaktionen der
Dänen auf das deutsche Rodeo:
"Wir sahen Pferde, die wie verrückt
ausschlugen, ihre Ohren flach am Kopf und mit weit geöffnetem Maul.
Das ist eine so ausgeprägte Angst-Mimik, wie ich sie noch nie in
anderen Situationen gesehen habe. Außer im Film, wenn ein Zebra
von einem Löwen getötet wird, sagt Marianne Dahl-Jensen.
Sie kritisiert besonders den Einsatz der Sporen und des Flankengurtes,
die dazu benutzt werden, um die Pferde zum Buckeln zu bringen und dass
sie bei der Disziplin Wild Horse Race, wo drei Männer ein Pferd mit
u.a. einem Seil fangen, herumgescheucht werden. Zusätzlich stellte
sie fest, dass viele der Tiere mager und in schlechtem Zustand waren.
Aus dem Programm genommen
Nachdem der Veranstalter der Show, Karsten Østergaard, die Pferde
gesehen hat, beschloss er, die deutsche Ranch nicht als Pferdelieferant
zu nehmen, aber das hat einzig mit dem Zustand der Pferde und nicht mit
den Trainingsmethoden zu tun, erklärt er.
Jan Ladewig, Professor für Tierschutz, nahm die Show ganz anders
als Marianne Dahl-Jensen wahr. Allerdings stimmt er zu, dass die Disziplin
Wild Horse Race gegen das [dänische] Tierschutzgesetz verstößt.
Tiere dürfen keiner für sie nachteiligen Situation ausgesetzt
werden und sie waren im Nachteil, sie wurden gescheucht und festgehalten,
während sie versuchten, sich zu verteidigen, sagt er.
Furcht und Unbehagen
Marianne Dahl-Jensen sah die Reaktion der Pferde als klares Zeichen dafür,
dass die Pferde sich unbehaglich fühlen und verängstigt sind.
Sie sagt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Pferd über
Jahre hinweg derart stark buckelt, wenn es nicht durch irgendeine Form
von Quälerei dazu gezwungen wird. Der Sinn von Rodeo ist es, die
Pferde zu verängstigen und zur Flucht zu veranlassen.
Und das Online-Pferdemagazin Heste-Nettet
berichtete:
DDD (Dänische Tierärztliche Vereinigung):
Rodeo verletzt §1 and § 17
Die Dänische Tierärztliche Vereinigung (Danske Dyrlægeforening)
missbilligt Rodeo in Dänemark. Dies ist eine Reaktion der Vertreterin
der Vereinigung, Pferdeexpertin Marianne Dahl Jensen, auf den Besuch auf
Dieter Brandts Ranch. Hier hatte sie die Gelegenheit, sich die Rodeoshow
anzusehen, die nächsten Sommer nach Dänemark kommt.
Das Hauptproblem ist die Verwendung von Sporen und dem Flankengurt,
welche eindeutiges Flucht- und Angstverhalten beim Pferd erzeugen. Selbst
wenn die Sporen nicht scharf sind, verursachen sie unkontrollierte harte
Schläge auf den Hals und die Schultern und somit ist das Pferd Schmerz
ausgesetzt. Es gibt Fälle, in denen das Pferd so stark bockt, dass
es stürzt oder in die Absperrung der Arena rennt und das ist sehr
fragwürdig, weil das Pferd Schmerz und einer für es sehr nachteiligen
Situation ausgesetzt wird, sagt Marianne Dahl Jensen.
Außerdem berichtet sie, dass das heftige Bocken den Rücken
des Pferdes so stark belastet, dass das Pferd wahrscheinlich Schmerz und
einem Verletzungsrisiko ausgesetzt ist.
Zu den Sporen machte Marianne Dahl-Jensen Heste-Nettet gegenüber
folgende Angaben:
Das heftige Bocken ist ein Zeichen von
Furcht und Fluchtverhalten, und es bringt die Pferde in eine für
sie äußerst nachteilige Situation, sagt Marianne Dahl
Jensen und fügt hinzu, die heftigen Schläge, die das Pferd
von den Sporen erfährt, während es bockt, verursachen Schmerz
und sind ein somit ein Verstoß gegen § 1 des Tierschutzgesetzes.
Am 23.04.07 schilderte Luise Thomsen vom Pferdemagazin Magasinet
Hest ihre Eindrücke
so:
Die deutschen Rodeopferde in schlechtem Zustand
Es war eine traurige Sammlung argentinischer Creollos, die sie während
der deutschen Rodeovorführung am Samstag einsetzen. Einige waren
ausgesprochen dünn und allen gemeinsam war ein stumpfes Fell und
die Muskeln waren wenig ausgeprägt.
Die Tiere hatten einen harten Winter,
berichtete der Rodeoveranstalter Dieter Brand. Besonders die Stute Showboat
sah mager und dünn aus. Das wurde von Marianne Dahl von der Dänischen
Tierärztevereinigung festgestellt.
Die Kondition der Pferde ist fragwürdig, alle Pferde waren
in einem schlechten Zustand, aber eines ist wirklich mager. Zusätzlich
sieht es kränklich aus, wobei gleichzeitig die Muskeln wenig ausgeprägt
sind, sagt sie gegenüber Heste-Nettet.
So ist Showboat z.B. in einer Videoaufnahme der deutschen Tierschutzorganisation
Anti-Corrida zu sehen, wo sie uriniert, während sie buckelt.
Das ist ein extrem anormales Verhalten.
Normalerweise stoppt ein Pferd alle anderen Aktivitäten während
es pinkelt. Die Tatsache, dass es pinkelt während es bockt, zeigt,
dass es sich sehr in Bedrängnis und in einem gestressten Zustand
befindet. Wir sprechen hier von einem Pferd, das sowohl physisch als auch
psychologisch in einem schlechten Zustand ist, erklärt Marianne
Dahl.
Die Pferde leben von April bis Oktober in Boxen aus Metallstangen, wenn
sie durch Deutschland und nun anscheinend auch nach Dänemark reisen.
Dieter Brand berichtete zusätzlich darüber dass die Hufpflege
zweimal pro Jahr zu Beginn und gegen Ende der Saison - erfolgt
und auch, darüber dass acht der Pferde nicht fixiert in demselben
Transporter befördert werden. Das ist eine fragwürdige
Art, um Pferde zu transportieren, sagt Marianne Dahl abschließend.
Die Journalistin Luise Thomsen stoppte auch die Zeit, nachdem die 8-Sekunden
des Rittes abgelaufen waren. Für bis zu 48 Sekunden buckelten die
Pferde weiter, solange, bis nach dem Verlassen der Arena der Flankengurt
abgenommen wurde.
Professor Ladewig fand das Wild Horse Race gar inakzeptabel. Am 24.04.07
sagte er gegenüber Heste-Nettet:
Ladewig: Wild Horse Race ist inakzeptabel
Jan Ladewig, Professor für Tierschutz und Verhalten, kommt nach seiner
Studienreise nach Deutschland zu folgender Bewertung von Rodeo. Der Veranstalter
des Kopenhagener Rodeos, Karsten Østergaard, nahm das so genannte
Wild Horse Race aus dem Programm. Eine Disziplin, bei der drei Männer
nach Zeit ein Pferd zähmen und reiten müssen.
Ich finde Wild Horse Race inakzeptabel. Es ist offensichtlich, dass
die Pferde aufgeregt waren. Die deutschen Cowboys rannten hinter ihnen
her und hängten sich an ihren Hals. Die Pferde zeigten Zeichen von
Angst, sagt er zu Heste-Nettet.
Unter den Reaktionen der Pferde waren: Aufbäumen, Buckeln und Flucht.
Das
Ende
Mit frischen Eindrücken vom Rodeo ging die dänische Westernreiterin
Lilli Klausen zu einem Termin im dänischen Parlament, dem 15.000
Unterschriften gegen Rodeo übergeben wurden (am Ende waren sogar
über 17.000 Unterschriften zusammengekommen).
Am 03.05.07 ging Task
Force mit den Aufnahmen aus Deutschland auf Sendung. Gezeigt
wurden ebenso Aufnahmen aus den USA und Kanada, denn der dänische
Rodeoveranstalter Karsten Østergaard, enttäuscht vom Zustand
der Pferde in Deutschland, wollte jetzt die Tiere in Kanada besorgen.
Er plante sogar, von Dänemark aus eine Rodeoshow durch ganz Europa
ziehen zu lassen.
Nach der Sendung ging ein Aufschrei durch Dänemark, den auch die
European Anti-Rodeo Coalition aufgrund von E-Mails mitbekam.
Während eines Fußballspiels im Parken-Stadium wurde Werbung
für das Rodeo gezeigt, die mit Buhrufen beantwortet wurde.
Am 09.05.07 wurde das Kopenhagener Rodeo abgesagt!
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The most harmful about the the flank
strap is that they buck beyond what is their capacity. Rodeo is
not natural for an animal. Rodeo is abusive. You have to abuse them
to make them do what they do.
Das Schädlichste am Flankengurt ist, dass sie über
ihre Fähigkeiten hinaus bocken. Rodeo ist nicht normal für
ein Tier. Rodeo ist Tierquälerei. Man muss sie quälen,
um sie zu dem zu bringen, was sie tun.
Dr. Peggy Lawson, Tierärztin und ehemalige
Rodeoreiterin im Task Force Programm 03.05.2007
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